Typische Mineraliensammlung

Mineraliensammlungen – und wie geht es weiter?

Uns werden hin und wieder Mineralien- und Fossilien-Sammlungen angeboten. Oft sind es Änderungen der Interessen, Geschäftaufgaben, Verkleinerung der Wohnung wegen des Umzugs in eine andere Wohnung, meist aber Nachlässe von ehemaligen Sammlern.

Die Größe einer solchen Sammlung schwankt von 1 Schachtel oder Kiste bis zu sehr umfangreichen Sammlungen, für die man einen LKW zum Transport benötigen würde. Die persönlichen Einschätzungen zu einer „großen Sammlung“ kann auch ernüchternd sein, denn was ist groß? Bunt und glänzend sind meist keine Kriterien für eine wie auch immer geartete Qualität.
Gerne schauen wir uns solche Sammlungen an und beraten zunächst, welche Möglichkeiten es gibt – und es gibt viele, mit ganz unterschiedlichen Zielen des Besitzers und Aufwänden für den „Verwerter“. Dabei sind in der Regel zahlreiche Dinge von Bedeutung:

  • Dokumentation: d. h. ist die Herkunft z. B. mit Zetteln belegt, sind die Zettel lesbar oder die Nummern abgefallen? Gibt es Journal oder einen Karteikasten zu den Nummern? Wurden die oft alten Zettel getrennt aufbewahrt?
  • Größe der Stücke: (je größer, um so schwerer vermittelbar). Handstufen und kleine Stücke sind gesuchter als 30-kg-Stücke
  • Erhaltung: d. h. sind die Kristalle beschädigt? Ist die Stufe geklebt?
  • Seltenheit: rare Mineralien und Fossilien sind mehr gesucht als bespielsweise Orangencalcite oder Rosenquarze
  • Lagerung: sind die Sulfide rissig oder bereits zerfallen? Riechen solche Stücke nach Schwefeloxid? Sind die Kästen und Zettel verschimmelt?
  • Sind Mineralien in Kunststoff-Döschen aufgekittet? So genannte Micro-Mounts in größerem Umfang sind wenig gesucht – z. B. aus der Eifel
  • Ist es Handelsware, also größere Posten von ähnlichen Mineralien
  • Herkunft: lokale und besonders erloschene Fundstellen können sehr gesucht sein, z. B. Tsumeb (Namibia)
  • Ist es selbst gefunden oder gekauft?
  • Welche Vorstellungen für einen Wert oder Preis sind vorhanden? Das Addieren der Einkaufspreise führt nicht zum Ziel, denn Mineralien und Fossilien sind keine festverzinslichen Wertpapiere.1
  • Gibt es ein (Stereo-)Mikroskop?
  • Sind Bücher vorhanden – und wenn ja, in welchem Zustand. Einfache Mineralienbestimmungsbücher aus den 1980er Jahren geben wir an Kinder ab. Bücher aus Raucherhaushalten sind gegenwärtig fast unverkäuflich.

Wenn Sie uns kontaktieren, dann ist ein Foto hilfreich, um eine erste Abschätzung zu ermöglichen. Den Rest muss man vor Ort anschauen.

Nach einer Vereinbarung wird anschließend in der Regel wie folgt verfahren:

  • Verpacken und Verstauen in Transportkisten
  • Reinigen, u. U. aufwändig
  • Aussortieren der Stücke, die aus Erfahrung unverkäuflich sind
  • Neue Schachteln, ggf. mit Polsterungen versehen
  • Bestimmung prüfen, gegebenenfalls analysieren und Herkunft checken und gegebenenfalls korrigieren oder infrage stellen, dazu in der Literatur oder/und Internet nachsehen
  • Neue Zettel schreiben/drucken und Preise festlegen
  • Bei bedeutenden Stücken Weitergabe an Museen
  • Den Mitgliedern des Naturwiss. Vereins anbieten
  • Auf Mineralienbörsen anbieten. Hier ist es so, dass man nie alle Steine in einer Zeitspanne von ein paar Jahren verkaufen kann. Es gibt Mineralien, die niemand haben will, weil die einjeder bereits hat oder sich die Mode geändert hat
  • Der Rest geht als Geschenk an Kinder und in die Tombola zur Mineralienbörse zugunsten des Naturwissenschaftlichen Vereins.

Ein Teil der Stücke können nur entsorgt werden; z. B. Pyrite und Markasite, die im Zerfall begriffen sind. Weiter trifft dies insbesondere für einfache Urlaubsmitbringsel wie Kieselsteine ohne Herkunft zu, oder deren Herkunft und Umstände nur der einstige Finder kennt. Für den Betrachter ist es ein bedeutungsloser Stein – ohne Erinnerung. Oder es sind „Kunstwerke“ aus afrikanischen Ländern, gefärbte und zusammen geklebte Mineralien und Fossilien, die arglosen Touristen glitzernd in der Sonne verkauft werden.

Bis zu fast 1 cm-große, sechseckige, rotbraune Vanadinit-Kristalle (Bleivanadat) auf schwarzem, strahlig aufgebauten Coronadit (Blei-Manganoxid). Gefunden bei Taouz in Marokko um 1980 und kostete 1986 45 DM, also etwa 23 €. Damals war das sicher ein sehr gutes Belegstück. Heute ist die Stufe, auch wegen der vielen beschädigten Kristalle, nahezu unverkäuflich.

  1. Ein Beispiel:
    Seit den 1960er Jahren werden in Marokko schöne, rote Vanadinit-Kristelle gefunden. Außergewöhnliche Stufen mit den sechseckig glänzenden Kristallen erzielten hohe Preise, besonders die auf weißem Baryt. Stücke jeder Qualität finden sich in allen Sammlungen. Also kann man solche Stücke kaum verkaufen, da jeder schon sowas hat. Nun wurden aktuell sehr große (mit „Schlüsselweite 19“), durchsichtig und tiefrote Kristalle gefunden, die das Niveau auf eine neue Ebene hoben. Dies bedeutet, dass die Spitzenstufen von einst, heute normal bewertet werden. Einfache Stufen sind praktisch unverkäuflich.
    ↩︎

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